>Erlangen in der stärksten Liga der Welt

Erlangen in der stärksten Liga der Welt

 

Frank Bergemann, Trainer des HC Erlangen, zu Gast an der Berufsschule

 

In der letzten Saison gelang dem HC Erlangen der große Wurf: Der Aufstieg in die 1. Bundesliga, die nach Meinung vieler Experten als die stärkste Handball-Liga der Welt gilt. Dort muss sich der HC nun mit den Top-Clubs, wie dem THW Kiehl oder dem Hamburger SV messen, deren Teams mit internationalen Weltklassespielern gespickt sind.

  • Was hat diesen Erfolg möglich gemacht?
  • Wie motiviert man Sportler zu Höchstleistung?
  • Welche neuen Herausforderungen bringt die 1. Liga mit sich?
  • Wie kann man Schule/Ausbildung und Leistungssport unter einen Hut bringen?

Um auf diese Fragen Antworten zu erhalten, hatte der Förderverein Frank Bergemann eingeladen, der die Erfolgsgeschichte des Erlanger Handballs über viele Jahre als Trainer geprägt hat.

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Vom Amateursport bis zur Championsleague

Frank Bergemann trainierte bereits vor der Fusion der HG und der CSG zum HC beide Erlanger Handball-Vereine und hat die Entwicklung vom Amateurverein zum Erstligaverein zusammen mit Spielern, die er zum Teil schon seit der Jugend kennt, hautnah miterlebt. Nach einem mehrjährigen Abstecher nach Österreich, wo er mit dem Alpha HC Hard im Jahr 2003 Meister wurde und in der Championsleague spielte, zog es ihn schließlich 2007 zurück nach Erlangen, wo er den HC zunächst in die 2. und nun auch in die 1. Liga führte.

 

Gemeinsame Vision als Ausgangspunkt

Um als Verein Erfolg haben zu können, braucht es so Bergemann, erst mal eine gemeinsame Vision, auf die alle – vom Management über die Trainer bis hin zu den Spielern – hinarbeiten. Auch bei seinem Engagement in Österreich beim Alpha HC Hard habe er eine solche Vision vorgefunden, welche die Basis für den Erfolg bildete. Diese Vision beginnt für Bergemann schon im Jugendbereich, wo insbesondere die Kooperation mit Schulen von großer Bedeutung ist.

 

 „Wenn man jemanden erst motivieren muss, funktioniert es nicht.“

…antwortete Frank Bergemann auf die Frage, wie man Sportler zu Spitzenleistungen motivieren kann. Die Motivation, „DASS sie es schaffen wollen“, müssen die Spieler selbst mitbringen; seine Aufgabe als Trainer sei es dann, den Spielern einen Weg aufzuzeigen, „WIE sie es schaffen können“. Ein hohes Maß an Eigenmotivation ist also eine Grundvoraussetzung für jeden, der sich im Leistungssport erfolgreich behaupten will.

 

Kommunikation und Kritikfähigkeit als Erfolgsfaktoren

Kritikfähigkeit, also die Fähigkeit, Kritik anhören und aufnehmen zu können, stellt für Frank Bergemann eine Schlüsselkompetenz seiner Spieler dar. Anstatt sich zu fragen „Welche Faktoren von Außen haben mich am Erfolg gehindert?“ sollte sich jeder die Frage stellen „Was kann ich selbst besser machen“; denn nur das sei durch den Spieler beeinflussbar.

Eine zentrale Bedeutung misst Frank Bergemann der mannschaftsinternen Kommunikation zu. Aus diesem Grund erarbeitet das Team gemeinsame Regeln für die Kommunikation und den Umgang miteinander, die man dann auch verinnerlichen und konsequent durchziehen muss.

 

100 Sprints pro Spiel

… macht ein Außenspieler durchschnittlich pro Partie, so Bergemann, um die enorme physische Intensität im Erstliga-Handball zu verdeutlichen. Damit der Körper dieser extremen Belastung standhalten kann, ist ein ausgewogenes Krafttraining erforderlich. Dabei geht es aber nicht nur um den „Six-Pack“ und den Bizeps; vielmehr dient das Krafttraining auch in erheblichem Maße der Verletzungsprophylaxe. So ist z. B. der Aufbau einer starken Rückenmuskulatur wichtig, um Rückenbeschwerden bzw. -verletzungen vorzubeugen.

 

Gesunde Ernährung wichtig

Ferner darf die Regeneration nach den Spielen nicht zu kurz kommen und auch auf eine gesunde Ernährung müssen die Spieler achten. Fast Food nach den Spielen oder Trainingseinheiten sei da eher weniger förderlich.

 

„Niederlagen sind das Beste, was es gibt.“

Der Aufstieg in die 1. Liga stellt den HC Erlangen vor enorme Herausforderungen. Das gilt sowohl sportlich als auch finanziell, denn der HC zählt in Liga 1 zu den Clubs mit einem eher kleineren Etat. Aber auch im mentalen Bereich müssen sich die Spieler umstellen: „Wir waren es gewohnt, zu gewinnen.“ beschreibt Frank Bergemann die letzten Jahre in der 2. Liga. Jetzt hingegen müsse das Team lernen, auch Niederlagen wegzustecken. Doch gerade der Umgang mit Niederlagen sei ein wichtiger Erfolgsfaktor und für den Lernprozess der Spieler sehr wertvoll.

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„Einser-Abi“ und Leistungssport

Nur vier Vollprofis, eine für die 1. Liga ungewöhnlich kleine Zahl, spielen in den Reihen des HC Erlangen. Alle anderen Spieler studieren oder arbeiten neben dem Handball, müssen aber auf dem Feld die gleiche Leistung bringen wie ein Vollprofi.

Auch Frank Bergemann, der als Sportlehrer am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Erlangen unterrichtet, kennt diese Doppelbelastung. Aus seiner eigenen Erfahrung als Trainer kann er von positiven Beispielen berichten, die in der Jugend um die deutsche Meisterschaft gespielt und in dieser Zeit ihr Abitur mit einem Schnitt von 1,4  geschafft haben. Dies unter einen Hut zu bringen, stellt eine enorme zeitliche und physische Herausforderung dar und kann nur mit Hilfe eines sehr guten Zeitmanagements gelingen.

Wir bedanken uns bei Frank Bergemann, der uns mit seinem Vortrag einen Einblick in die Welt des Profi-Handballs ermöglicht hat. Ihm und seinem Team wünschen wir viel Erfolg bei der Realisierung der Vision, Erlangen in der stärksten Liga der Welt zu etablieren.

 

Karsten Beck

Geschäftsführer des Vereins der Freunde und Förderer

der Staatlichen Berufsschule Erlangen e. V.

 

 

2014-12-10T11:11:42+00:0010.12.2014|
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