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     Kurzfilmtag gegen das Vergessen

    „Klassentreffen Jahrgang 38“

     „Was, wenn ich nicht der beste in Deutsch gewesen wäre. Was wäre gewesen, wenn Tom nicht der beste Läufer gewesen wäre. Hätten Sie dann der Rassenlehre geglaubt. Hätte man uns dann schikanieren dürfen?“

    Diese kurze Passage bringt die zentrale Thematik des Kurzfilms „Klassentreffen Jahrgang 38“ auf den Punkt. Der Film, der am 15. November 2017 im großen Saal der Technikerschule einem interessierten Publikum aus Schülern, Lehrern und Vertretern der Stadt Erlangen gezeigt wurde, stellt einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben von Marcel Reich-Ranicki dar. Ranicki war bis zu seinem Tod der wohl bekannteste Literaturkritiker im deutschsprachigen Raum. Seine Liebe zur deutschen Literatur ist umso bemerkenswerter, wenn man weiß, dass Ranicki während des Nationalsozialismus selbst ein Opfer der Judenverfolgung war.  Das obige Zitat aus Ranickis Biografie war Anlass für Schüler der Berufsschule Erlangen unter der Leitung von Herrn Timo Lang einen Film zu drehen, der nicht Ranickis Zeit im Warschauer Ghetto oder seine Flucht thematisieren sollte. Zentrales Thema sollte vielmehr die nachträgliche Auseinandersetzung Ranickis mit seiner Schulzeit während des 3. Reichs sein.

    Die Themen Vorurteile und Ausgrenzung haben auch fast 80 Jahre nachdem Marcel Reich Ranicki sein Abitur gemacht hat, nichts von ihrer Brisanz verloren. Dies war letztlich auch der entscheidende Grund dafür, den Film im Rahmen des Kurzfilmtages ins Zentrum einer Podiumsdiskussion zu stellen.

    Den Auftakt der Veranstaltung bildete die Begrüßung des Schulleiters Roland Topinka, der voller Stolz verkündete, dass der Film zu den Landessiegern beim diesjährigen Filmfest bayerischer Schulen gehört. Im Anschluss richtete auch Oberbürgermeister Dr. Florian Janik in seiner Funktion als Pate des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an der Berufsschule Erlangen einige Worte an das Publikum.

    Herr Udo Klein, Fachbereichsleiter Sozialkunde, mahnte in seiner Rede, das Vergangene nicht zu vergessen, um für die Zukunft daraus zu lernen. Einen Einblick in die bewegte Geschichte der Örtlichkeit, in dem die Veranstaltung stattfand und in dem auch große Teile des Films gedreht wurden, gab Herr Daniel Riehn in einem kurzen historischen Abriss.

    Die folgende Filmvorführung wurde vom Publikum mit großem Applaus belohnt. Die Zuschauer beteiligten sich zudem rege an der sich anschließenden Diskussion zum Film, bei der Herr Timo Lang und die beteiligten Schüler den Entstehungsprozess des Films schilderten. Die am Projekt beteiligten Schüler Paula Bausch und Julius Straub bezeichneten die Arbeit am Film als sehr gewinnbringend und als eine wertvolle Erfahrung. Für die erweiterte Podiumsdiskussion gesellten sich Frau Dr. Elisabeth Preuß, Herr Michael Münch und der Schülersprecher Lukas Schmidt zu den Gästen auf die Bühne, wo dann auch der Bogen von der im Film angesprochenen Vorurteilsproblematik zu aktuellen gesellschaftlichen Phänomenen gespannt wurde.

    Frau Gabi Bez führte charmant, fachkundig und informativ durch die gesamte Veranstaltung. Sie dankte am Ende dem Publikum, den Teilnehmern der Diskussion und nicht zuletzt allen Beteiligten, die zum guten Gelingen der Veranstaltung beigetragen hatten.

    Die folgenden Bilder zeigen Impressionen vom 1. Kurzfilmtag gegen das Vergessen „Klassentreffen Jahrgang 38“.