Wie sieht moderne Messtechnik im Jahr 2026 aus? Diese Frage konnten sich die Schülerinnen und Schüler der Mechatronik-Klassen an der Berufsschule Erlangen kürzlich ganz praxisnah beantworten. Zu Gast war die Firma KEYENCE, die ein optisches 3D-Koordinatenmesssystem der Modellreihe Modellreihe VL präsentierte. Ein kontaktlos arbeitender 3D-Scanner auf dem neuesten Stand der Technik.

Im Zentrum der Vorführung stand die vollständige Digitalisierung realer Bauteile. Das System erfasst ein Objekt berührungslos und erzeugt daraus ein hochauflösendes dreidimensionales Datenmodell, das unter anderem als STEP-Datei weiterverarbeitet werden kann. Damit entsteht ein digitaler Zwilling des Werkstücks. Eine ideale Grundlage für präzise Messungen, Soll-Ist-Vergleiche und weiterführende CAD-Analysen.

Besonders beeindruckend war die intelligente Zusammenführung mehrerer Scans. Wird ein Bauteil nach dem ersten Scan gedreht und erneut erfasst, erkennt das System mithilfe integrierter KI-Algorithmen automatisch die Lageveränderung. Unsichtbare oder zuvor verdeckte Bereiche werden korrekt zugeordnet und nahtlos ergänzt. So entsteht Schritt für Schritt ein vollständiges, geometrisch exaktes 3D-Modell und das ohne manuelles Ausrichten oder aufwendige Nachbearbeitung.

In der Qualitätssicherung eröffnet diese Technologie neue Möglichkeiten. Abweichungen von CAD-Daten werden direkt erkannt und farblich visualisiert. Unebenheiten, Verzüge oder Maßabweichungen außerhalb definierter Toleranzen sind auf einen Blick sichtbar. Gerade im industriellen Qualitätsmanagement bietet dies enormes Potenzial: Serienbauteile können effizient geprüft, Fertigungsprozesse optimiert und Produktionsproblematiken frühzeitig identifiziert werden.


Herr Vollath von der Firma KEYENCE erläuterte anschaulich die technischen Hintergründe und zeigte praxisnahe Anwendungsbeispiele aus Entwicklung, Fertigung und Qualitätssicherung. Die Schülerinnen und Schüler erhielten damit nicht nur einen Einblick in die aktuelle Messtechnik, sondern auch in Technologien, die in Zukunft zunehmend zum industriellen Standard gehören werden. Der Besuch machte deutlich: Die Digitalisierung endet nicht am Computerbildschirm. Sie beginnt beim realen Bauteil. Und genau hier setzt moderne 3D-Messtechnik an.